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Frauen stärken - Männer einbinden
IAMANEH Schweiz

Frauen stärken - Männer einbinden

Veränderungen können nur gelingen, wenn beide – Frauen und Männer – daran beteiligt sind. Dies gilt auch in den Bereichen Familienplanung und sexuell übertragbare Krankheiten. Klärt man lediglich Frauen über sexuell übertragbare Krankheiten auf und lassen sich lediglich Frauen dagegen behandeln, so werden diese immer wieder krank: Sie werden von infizierten Männern immer wieder angesteckt.

Als IAMANEH Schweiz vor einigen Jahren vorschlug, die Partner der ledigen Mütter aus Burkina Faso in Projektaktivitäten einzubinden, war die Unsicherheit von Seiten der Partnerorganisation AMMIE, sich mit Tabuthemen speziell an Männer zu richten, gross. Ihrer Ansicht nach war die Öffentlichkeit noch nicht bereit dafür. In der Öffentlichkeit wird immer noch die Frau als verantwortlich für eine ungewollte Mutterschaft angesehen, die Übersetzung von «Geschlechtskrankheit» in moré, der wichtigsten Umgangssprache in Burkina Faso, ist «Krankheit der Frau».

Seit 2006 werden nun die Partner der ledigen Mütter in Sensibilisierungsaktivitäten zu Familienplanung sowie zu sexuell übertragbaren Krankheiten einbezogen. Die jungen Männer begleiten ihre Partnerinnen zu den Gesprächsrunden. Ein Teil der Radiosendungen und Theateraufführungen richten sich ebenfalls an Männer und sollen ihnen die geteilte Verantwortung in Sachen Familienplanung, Schutz vor Geschlechtskrankheiten sowie der Pflichten eines Vaters bewusst machen.

Verhütung? Das ist doch Frauensache!
Issoufou ist ein solch pflichtbewusster Vater. Das war nicht immer so! Vor sechs Jahren hat er Latifatou kennengelernt, sie war damals 16 und er 19 Jahre alt. Sie kannten sich nur wenige Monate, da wurde sie bereits schwanger. Issoufou erzählt: «Wir haben nicht verhütet, denn ich war überzeugt, dass sie das im Griff hat. Als ich von ihrer Schwangerschaft erfuhr, habe ich sie verlassen und bei der Geburt das Kind nicht anerkannt.» Aber Latifatou liess nicht locker, sie suchte Issoufou auf, um ihn zu informieren, dass sie nun in ein Projekt der Organisation AMMIE aufgenommen wurde. Später erzählte sie ihm, dass sie dank dem Projekt gelernt hat, wie man sich vor einer ungewollten Schwangerschaft schützt und dass sie zweimal im Jahr von einer Gynäkologin untersucht wird.

Dann kam sie eines Tages mit einer Projektanimatorinzu Issoufou – sie wollte, dass er seine Tochter Bibata anerkennt, damit sie ihr eine Geburtsurkunde ausstellen konnte. Ohne Geburtsurkunde dürfen Kinder zum Beispiel nicht zur Schule. Issoufou erzählt weiter: «Ich habe nicht sofort eingewilligt. Aber sie ist wieder gekommen, mit der gleichen Projektanimatorin sowie der Projektkoordinatorin. Wir haben viel über die Anerkennung meiner Tochter geredet.»

Spätere Heirat nicht ausgeschlossen
Diese Gespräche haben beim jungen Mann etwas ausgelöst, denn seitdem besuchte er regelmässig seine Freundin und seine Tochter. Er hat sich sogar überreden lassen, an einer von AMMIE organisierten Abendveranstaltung teilzunehmen, an der er andere Männer angetroffen hat – ebenfalls Freunde und Partner der ledigen Mütter. Und eines Tages hat sich Issoufou entschieden, seine Tochter zu anerkennen – und das aus Überzeugung!

Er trifft sich auch wieder mit Latifatou, er sagt dazu: «Seitdem sie an den Projektaktivitäten teilnimmt, ist sie reifer geworden. Sie verdient auch ein bisschen Geld, denn sie verkauft Kuchen aus Erdnussmehl.»

Später wurde bei einer gynäkologischen Untersuchung bei Latifatou eine Geschlechtskrankheit diagnostiziert. Es war wichtig, auch ihren Partner zur Behandlung zu schicken, und Issoufou hat sich ohne weiteres dazu bereit erklärt. Er nimmt jetzt auch regelmässig an den Gesprächsrunden teil, bei denen Themen wie Familienplanung, Geschlechtskrankheiten und Aids, Kinderrechte, Verhütungsmethoden und Beschneidung diskutiert werden. Issoufou ist stolz, dass er jetzt zur Verhütung ein Kondom verwendet, er sagt: «Meine Tochter ist heute fünf Jahre alt, ich kümmere mich im Rahmen meiner finanziellen Möglichkeiten um sie und auch um meine Freundin. Ich habe begriffen, dass Bibata auch mein Kind ist und dass ich für sie Verantwortung übernehmen muss. Ich werde Latifatou heiraten und habe bei ihrer Familie um ihre Hand angehalten – ich muss nur noch das nötige Geld für die Heirat zusammen bringen.» (2011)

Von Djénéba Diallo
Projektkoordinatorin

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